Bibliothek der Königin
 
Königin Luise (1776-1810) war keine Bücherliebhaberin in dem Sinne wie Friedrich II. Sie ließ ihre Bücher nicht einbinden, so daß man sie heute noch in ihrer bescheidenen blauen Broschur vorfindet. Die in Leder eingebundenen Ausnahmen sind vermutlich Geschenke. Nicht alle Bücher sind aufgeschnitten, zuweilen bei mehrbändigen Werken nur der Band, der interessiert hat.
 
altAnhand der Luisenbibliothek in ihrem ursprünglichen Zustand ließ sich der literarische Geschmack der Königin und seine Entwicklung im Laufe ihres Lebens gut verfolgen. Er galt den Romanen der Zeit, der Reiseliteratur und auch historischen Werken. Die Königin las französische Literatur, englische häufig in französischer Übersetzung, lernte später aber auch Englisch und bewunderte Shakespeare. Ihr Interesse an deutscher Literatur war groß; ihre besondere Liebe galt dem Werk Jean Pauls, aber auch die Weimarer Klassiker waren ihr vertraut.
 
Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges waren zwei Bibliotheken der Königin vorhanden, die seither verschollene im Berliner Schloß und die im Potsdamer Stadtschloß. Von der letzteren blieben zwei Teile, der größere im Schloß Charlottenburg und der kleinere bei der Stiftung Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci erhalten.
 
Von den in Potsdam insgesamt 30 vorhandenen Titeln stammen 24 aus dem 18. Jh und 6 aus dem 19. Jh. Es überwiegt die französischsprachige Literatur mit 26 Titeln, gefolgt von 2 deutschen, einem englischen und einem italienischen Titel.
 
Ein 1925 erstelltes, maschinengeschriebenes Verzeichnis beider Bibliotheken der Königin Luise gibt folgende Übersicht: Theologie, französische Literatur, englische Literatur, italienische Literatur, Grammatik und Sprachwissenschaft, Reden, Rechts- und Staatswissenschaft, Volkswirtschaft und Politik, Medizin, Botanik, Kriegswissenschaft, Pädagogik, Almanache und Kalender, Kunstgeschichte und Archäologie, Wörterbücher, Zeitschriften und Varia. 
 
VERÖFFENTLICHUNGEN ZU DEN BESTÄNDEN
 
Kania, Hans: Die Bibliothek der Königin Luise im Stadtschloß zu Potsdam. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Potsdams N. F. 6 (1929) S. 197-199
 
Königliche Bücher: Bucheinbände des Hauses Hohenzollern. Ausstellung Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz. Berlin 1986
 
 

Quelle: Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland. Digitalisiert von Günter Kükenshöner.
Hrsg. von Bernhard Fabian. Hildesheim: Olms Neue Medien 2003.